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Sensory Awareness

Der Druck zu funktionieren, dem wir alle unterliegen, kann dazu führen, dass wir uns den Signalen unserer Körpers verschließen.

 

Irgendwann in unserer frühen Kindheit war das eine Notwendigkeit.

Wir wollten nicht mehr überflutet werden, nicht mehr unseren Sinnen ausgeliefert sein.

Und entwickelten, in vielen Fällen, dies instrumentales Verhältnis zu unserem Körper:

 

' Wir sind nicht in unserem Körper, wir haben ihn. Und wenn er nicht funktioniert, gehen wir zum Arzt, damit er ihn repariert.'

 

Doch wir, unsere Geschichte, sind unser Körper.

Uns von ihm abzukoppeln, beraubt uns einer ganzen Dimension unseres Selbst, hemmt unser Wachstum.

 

Ähnlich wie Feldenkrais kam Elsa Gindler durch gesundheitliche Beschwerden zu ihrer Arbeit.

Diese führten sie dazu, ihre Arbeit als Gymnastiklehrerin im Berlin der Zwanziger Jahre neu zu durchdenken und zu gestalten.

Sie schrieb:

„Unser Organismus ist ein riesiges Erfahrorgan,

von dessen Ungestörtheit oder Gestimmtheit die Qualität der Wahrnehmungen und Handlungen und des Denkens abhängt.“

 

Sie arbeitete später mit dem Dirigenten und Pädagogen Heinrich Jacoby zusammen, den die gleichen Themen beschäftigten.

Jacoby und Feldenkrais kannten einander.

Sie konnten sich neinige Male treffen treffen, der Austausch war aber, besonders für Feldenkrais, sehr ertragreich.

 

Anders als Feldenkrais hatten Gindler und Jacoby viele Schüler, bildeten aber nicht aus.

Doch die Ausstrahlung ihrer Arbeit in verschiedenste Richtungen war enorm.

 

Die Machtergreifung der Nazis machte diese Bestrebungen zunichte.

Viele SchülerInnen von Elsa Gindler mussten emigrieren,

eine davon, Charlotte Selver, in die Vereinigten Staaten.

Dort entwickelt sie, bereichert durch weiter Erfahrungen wie Zen und Gestalttherapie, SENSORY AWARENNESS.

 

Dies sind zwei verschiedene Arten, mit verwandten Themen umzugehen.

Das Verbindende ist, dass es das 'wie' ist, welches im Vordergrund steht, und nicht das 'warum'.

Und dass wir uns lösen können von der 'richtig oder falsch' Polarität, um verschiedene Möglichkeiten zu betrachten.

 

Beide Methoden sind langsam und tastend.

Wir werden nicht von außen korrigiert und bewerten, soweit möglich, auch selber unsere Bewegungen und Wahrnehmungen nicht.

 

Ein interessanter Unterschied: in der Feldenkrais-Arbeit tauschen wir uns nicht aus.

Zum einen ist Sprache bei weitem zu grob für das, was geschieht. Zum anderen könnte durch das Reden über die Lektionen ein Sog entstehen, es so zu machen wie die meisten anderen,

statt eigene Wege zu gehen.

Man ist mit sich selbst allein in einer Feldenkrais-Gruppe.

 

Sensory Awareness ist gruppenorientierter.

Es gibt Partner-Übungen, man berührt sich, tauscht sich, verbal/nonverbal, aus.

 

Beim einem geht es um die Erweiterung der Konzepte, die wir von Bewegungen haben, beim anderen um die Verfeinerung sinnlicher Wahrnehmungen.

 

Persönliche Autonomie ist ein beiden Methoden gemeinsames Ziel: sich zu erleben.

Mit sich selber umgehen zu können. Zusammenhänge zu erkennen, differenziert reagieren zu können.

 

 

 

 

Elsa Gindler/Heinrich Jacoby